Mit dem Rad von Triptis an die Elbe

Es ist noch stockdunkel als wir kurz vor 6:00 Uhr in der Frühe an der Barthmühle eintreffen. Mit 12°C ist es nicht wirklich kalt, aber die Handschuhe anzuziehen war eine gute Idee.

Das Ziel ist, mit der Unteren Bahn zunächst nach Gera und dann weiter nach Triptis zu fahren. Dort kann man in den Orla-Radweg einbiegen, dessen Anfang im ca. 5km entfernten Braunsdorf an der Orlaquelle liegt.
Dieser RW ist ca 40km lang und endet in Orlamünde, kurz davor kann auf den von Saalfeld kommenden Saale-RW abgebogen werden. Von da sind es noch etwa 230km bis zur Mündung in die Elbe bei Barby.
Nach den eher trüben letzten Tagen und Wochen wurde für kurze Zeit ein goldener Herbst vorhergesagt und so hatten wir uns für diese Tour 3 Tage reserviert.
Vom Bahnhof in Triptis geht es, nachdem der Einstieg in den RW gefunden ist, über mehrere kleine Dörfer in Richtung Neustadt/Orla.
Dort angekommen laden eine gemütliche Fußgängerzone und ein schöner Marktplatz zum Verweilen ein. Eine größere, aber ausgeschilderte Umleitung folgt, nach Oppurg verlassen wir die weite Orlasenke und biegen in das landschaftlich ebenso reizvolle Orlatal ein. Wir folgen der guten Beschilderung und erreichen in Freienorla schließlich den Saale-RW.


Der nächste bedeutende Ort ist Kahla, schon von Weitem deutlich sichtbar thront eine der schönsten Burgen in dieser Gegend, die Leuchtenburg, hoch über dem Fluß.
In Jena ist eine Durchfahrt durch einen Teil der Stadt nicht zu vermeiden. Dank des gut ausgebauten RW-Netzes und der Wegweiser ist dies jedoch kein Problem, hier herrscht reger (Rad-)Verkehr.

Der folgende Saale-Canyon gibt uns durch die vorspringenden Kalkfelsen das Gefühl, im Gebirge unterwegs zu sein. Das Landschaftsbild wird im weiteren Verlauf immer wieder von romantischen Burgen, imposanten Schlössern und Ruinen bestimmt. Am bekanntesten sind wohl die Dornburger Schlösser, die Rudelsburg und die Burgruine Saaleck. Zwischen Camburg und Bad Kösen sind die ersten Hänge mit Weinreben bewachsen – wir befinden uns im Saale-Unstrut Weinanbaugebiet. Die zahlreichen Weingüter mit Straußenwirtschaft bieten Weinverkostungen und und oft auch einen Imbiß an.
Ganz in der Nähe der Mündung der Unstrut in die Saale liegt direkt am RW der Gasthof ”Zur Henne” in dem wir die erste Übernachtung buchen.

Kurz nach 8:00 Uhr in der Frühe geht es weiter Richtung Weißenfels. Die Kühle weicht dank der Sonne schnell angenehmen Temperaturen. Der RW ist hier zum großen Teil gut ausgebaut und verläuft abwechslungsreich dank der vielen Kurven und kleinen Anstiege. Nach Weißenfels kommen wir in Bad Dürrenberg am Borlachturm vorbei, das weltberühmte Gradierwek ist in unmittelbarer Nähe. Merseburg grüßt mit seinem Schloß, wir überqueren den Marktplatz mit seinen liebevoll sanierten Häusern, bevor es auf ebenfalls gut ausgebautem Wegen eine längere Fahrt durch Halle zu bewältigen gilt.

Unser nächster Halt ist Wettin, von Weitem sichtbar die markante Burg gleichen Namens. Wir finden eine kleine Pension für die Nacht, Werners Café, und leisten uns im Burgkeller ein ausgiebiges Abendmenü.
Der nächste Morgen ist wieder frisch, die aufgehende Sonne und der aufsteigende Nebel über der Saale zaubern beeindruckende Bilder. Auf vorwiegend neu gebauter Trasse tragen uns die Räder über Alsleben nach Bernburg. Hier ebenfalls dominierend: das Schloß.

Nach Nienburg erreichen wir Calbe, da eine eindeutige Beschilderung fehlt fahren wir auf der verkehrsreichen Straße weiter Richtung Barby und erreichen schließlich die Saalemündung. Von Barby aus führt uns eine Straße mit RW nach Gnadau, wo wir in die Bahn einsteigen und pünktlich 19:00 Uhr wieder die Barthmühle erreichen.

Fazit:
Der Orla-RW eignet sich auch als Tagestour.
Der Saale-RW ist ab Freienorla, abgesehen von einigen wenigen, aber markanten Steigungen, gut befahrbar. In der Regel gibt es einen separaten asphaltierten RW, es muß aber auch auf wenig befahrene, selten kurz auf verkehrsreiche Straßen, ausgewichen werden. Die Beschilderung ist zu 90% gut, es gibt aber auch einige Stellen, an denen Schilder fehlen oder wir sie nicht wahrgenommen haben. An einigen Stellen sind die Schilder auch erst zu weit nach dem Abzweig zu sehen. Es kommt vor, dass diese so angebracht sind, dass sie verdeckt werden. Die Beschilderung von Calbe nach Barby und weiter zur Mündung war für uns rätselhaft, deshalb sind wir auf die Straße ausgewichen. Die Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind gut.
Generell sollte man sich für die Strecke mehr Zeit nehmen: Naumburg, Dornburg, Bad Kösen, Merseburg und besonders Bernburg sind sehenswert.

Kleine Statistik:

Stationen			Strecke (km)	Zeit (h)

Triptis – Naumburg		120		7:40
Naumburg – Wettin		 88		6:00
Wettin – Barby		         70		4:20
Barby - Gnadau		         19		1:10

Plauen, 20.10.2017
NFe T. Seidel, U. Schubert (Text und Bilder)